Samstag, 9. Oktober 2010

UNFALL IM PARADIES

Donnerstag, 7.10.2010: Mulege nach El Burro Playa/Baja California, MEXIKO
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Heute sollte ich etwas tun, was ich bei all meinen bisherigen Motorradreisen noch nie getan habe. Doch dazu später.

Ich habe eine heisse Nacht hinter mir. Zum Glück war das Zimmer klimatisiert. Nachdem das Restaurant, das gleich gegenüber ist geschlossen hatte, habe ich mich mit meinem Laptop in den Innenhof gesetzt um Fotos für meinen Blog hochzuladen.

Irgendwann in der Früh bin ich dann ins Bett gefallen. Ensprechend später bin ich dann heute aufgestanden. Ich bin in das selbe Restaurant auf ein mexikanisches Frühstück gegangen: Spiegelei, Speck, Bohnen, Kartoffel, Obst und Tee.


Gestern habe ich mein Motorrad in den Innenhof des Hotels gestellt, damit die Diebstahlgefahr reduziert wird.


Die Hitze macht mir ein bischen zu schaffen. 2 Tage vorher habe ich am Motorrad noch gefrohren und mir das Innenfutter für die Motorradhose und Motorradjacke wieder rein gemacht.

Hier hat es plötzlich eine Irrehitze. Also von zirka 10 Grad in den Bergen auf 40 Grad Celsius.


Nachdem die meisten Hotels keine Einzelzimmer haben, habe ich auch hier ein Doppelbett. Der Standard ist natürlich nicht mit einem Motel in den USA zu vergleichen.

Wenn man eines auf dieser Reise lernt - dann ist es - seine Ansprüche zurück zu schrauben. Nachdem ich von anderen Reisen viel schlimmere Unterkünfte gewohnt bin, freue ich mich jedes Mal, wenn es so halbwegs sauber ist - UND - wenn keine Krabbeltiere unterwegs sind!!!


Die Stadt hat einiges zu bieten. Sie gleicht einer Oase, umgeben von Palmenhainen.

2008 und 2009 ist hier ein Hurricane durchgezogen und hat sehr viel zerstört.


Die meisten Schäden wurden beseitigt. Einges kann man heute noch sehen.

Vor allem gibt es jede Menge an Häuser, die zumKauf angeboten werden. Nach 2 Hurricanes haben scheinbar mache die Nase voll, so schön der Platz aus sein mag.


Ich fahre die Küste entlang, Richtung Süden und bin komplett überrascht. Eine wunderschöne Bucht reiht sich an die andere. Mir bleibt richtig die Spucke weg.


Der Chef der KTM- Werkstätte in San Francisco hat mir diesen Bereich mit 2 Sternen  am Plan gekennzeichnet - jetzt weiss ich warum.

Er hat mir geraten eine sogenannte Polapa, eine Strohhütte zu nehmen. Die kostet so um die U$ 25,-. Ich habe jedoch in der Stadt übernachtet und damit diese Sache versäumt - schade...


Ein Hammerstrand folgt dem nächsten - und meine Uhr tickt. Um 20:00 Uhr geht meine Fähre nach Mazatlan, aufs Festland rüber. Ich muss mich also ganz schön sputen um die noch zu erreichen.




Und dann passiert etwas, was ich bei all meinen Reisen bisher noch NIE getan habe.

Plötzlich frage ich mich, was ich da eigentlich tue. Ich rase gerade in Richtung LA PAZ und habe einen Traumstand nach dem nächsten.

ICH DREHE UM und fahre fast 30 Kilometer zurück!!! Ich weiss dass ich in meinem Plan eine Woche hinten bin, aber das ist jetzt Nebensache.

La Paz ist jetzt weit weg und die nächste Fähre geht erst in 3 Tagen.


Ich steige vom Motorrad. Der heutige Tag gehört mir, und es sollte ein ganz besondererTag werden.


Das ist Olivia, die Chefin hier. Sie hat einen Amerikaner geheiratet und lebt seit über 20 Jahren an diesem Traumstrand.

Das Hotel daneben hat die zuerst gemanagt, dann gekauft. Dann hat man es ihr weggenommen, weil jemand Anderer bessere Beziehungen hatte.

Derzeit kämpft sie gerade vor Gericht um ihr Hotel.


Ich bestelle mir ein Bier - aahhh, Wahnsinn, an dem Strand. Im TV läuft gerade eine Information, das in Mazatlan 5 Menschen erschossen worden sind.

Mazatlan ist die Stadt am Festland, die ich mit meiner Fähre ansteuere. Irgendwie sind die Nachrichten weit, weit weg und dann doch wieder real und ganz nah.


In Mexiko sind diese Jahr bisher über 8.000 Menschen ermordet worden. Mexiko - und ich mitten drinnen.


Der Blick vom Lokal auf das Meer ist ein Hammer. Ich setzte mich raus und geniesse das Rauschen des Meeres.


Ich steige wieder aufs Motorrad. Ich habe eine ganz spezielle Bucht im Auge. Die schönste auf den letzten 40 Kilometern.



Und dann bin ich an der EL BURRO PLAYA. Ich frage im Restaurant, ob es Häuser zu mieten gibt. Nein, aber ich kann hier um 95 Pesos campen, zirka € 6,-.

Die Damen beschreiben mir den Weg zu der zuständigen Person, am andern Ende der Bucht. Ich fahre zurück über die Sandpiste. Da passiert es.

ZACK, BUMM - ich komme ins Schleudern auf dem schmierigen Untergrund und stürze mit der KTM. Es ist ein grosser Stein, gegen den ich mit der linken Seite pralle.

Ich habe keine Chance das Motorrad abzufangen. Ich schlage mit dem rechten Knie wo an und spüre einen stechenden Schmerz. Mein linkes Bein ist unter dem Motorrad eingeklemmt. Mit Mühe kann ich es darunter herausziehen.

SCHEISSE!!!



Ich taste mein Knie ab, ob etwas gebrochen ist. ich kann aufstehen, habe aber Schmerzen im Knie.

Ich versuche das Motorrad aufzuheben - aber keine Chance. Knapp 300 Kilogramm inklusive vollem Tank und Gepäck liegen vor mir.



Die beiden Damen vom Restaurant, Emilia und Maritza eilen mir zu Hilfe. Zu Dritt schaffen wir es, das Motorrad wieder aufzustellen.


Dank dem Sturzbügel ist nur ein Teil der Verkleidung leicht beschädigt. Der Tank ist zum Glück unbeschädigt geblieben.


Mein Knie schmerzt, aber es scheint nichts ernsthaft verletzt zu sein.

Ich fahre zu der zuständigen Person am Strand, der mir einen Campingplatz direkt am Meer, vor einer Hütte zuweist. Ich stelle das Motorrad ab und baue das Zelt auf. Der Ort hier ist ein Traum.


Ein Blick auf die Bucht in der untergehenden Abendsonne.

In meinem Kopf dröhnt das Lied von STS: Und irgendwon bleib I donn durt, los olles lieg`n und steht, geh von daham für immer furt. Darauf gib I da mei Wurt, wüvü Johr a no vage`n, irgendwonn bleib I donn durt...


Ich schmeisse mich in die Meeresfluten und schwimme ein Stück raus ins offene Meer. Der Sturz ist vergessen, ich geniesse das warme Meer.

Ich lerne meine Nachbarn kennen, die hier ein Haus besitzen. Ich bekomme ein kaltes Bier und sie erzählen mir von der ausgezeichneten Küche im Restaurant - also nichts wie hin.


Ich bestelle ein Pacifico Bier und bekomme ein Corona. Was soll`s - auch das Corona lässt sich gut trinken


Automatisch wird die mexikanische Vorspeise geliefert.


Ich bestelle eine Fischplatte und erlebe himmlische Gaumenfreuden. Die Meeresfrüchte wurden heute frisch aus dem Meer geholt, und so schmecken sie auch. GRANDIOS!


Die nächsten Biere sind dann auch das, was ich bestelle - PACIFICO, eine herbfrische Gaumenfreude.


Im Restaurant lerne ich mehrere Leute kennen, die mir ihre Lebensgeschichte erzählen. Ich frage sehr viel und erfahre dadaurch auch jede Menge.

Inzwischen ist es stockfinster und ich gehe den Strand entlang, zurück zu meinem Zelt.



Ich hole meine Matte aus dem Zelt und lege mich direkt ans Meer um die Sterne zu beobachten.

Der nächtliche Himmel ist voller Diamanten, die in der Finsternis schimmern und verglühen. Ich denke über den heutigen Tag nach und darüber, das ich zum ersten Mal ZURÜCK gefahren bin.


Ich denke auch darüber nach, das mein linkes Knie zwischen Motorrad und Stein zermalmt hätte werden können, das dies aber nicht passiert ist.

Danke an meine Schutzengel und die guten Menschen die an meiner Seite stehen.

Heute hätte meine Reise ein schlimmes Ende nehmen können. Statt dessen habe ich einen ganz besonderen Tag erleben dürfen.

DANKE!

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